Überziehung

Dispokredit: was er kostet und wie Sie ihn wieder loswerden

Neun Prozent Zinsen fallen kaum auf, solange nur der Kontostand rot ist. Sichtbar wird die Sache erst, wenn man ausrechnet, was ein Jahr Dauerminus kostet — und feststellt, dass die Schuld danach genauso hoch ist wie vorher.

Die drei Zahlen, um die es geht

9,34 %Effektivzins für Überziehungskredite an private Haushalte, Juni 2026Deutsche Bundesbank
6,93 %Effektivzins für Ratenkredite mit 1 bis 5 Jahren Zinsbindung, Juni 2026Deutsche Bundesbank
6 MonateDauernutzung, ab der die Bank ein Beratungsgespräch anbieten muss§ 504a BGB

Was der Dispokredit im Monat kostet

Die Bundesbank erhebt monatlich, was deutsche Banken tatsächlich verlangen. Für revolvierende Kredite und Überziehungskredite an private Haushalte — die Kategorie, in der der Dispokredit steckt — lag der durchschnittliche Effektivzins im Juni 2026 bei 9,34 Prozent. Im Mai waren es 9,24 Prozent, im März 9,30. Der Satz bewegt sich seit Monaten kaum.

Auf 1.000 Euro im Minus sind das 7,78 Euro Zinsen im Monat. Bei 2.000 Euro sind es 15,57 Euro, bei 3.000 Euro schon 23,35 Euro. Und das ist der Grund, warum die Sache so lange unauffällig bleibt: Was die Bank am Quartalsende abbucht, sieht nach Kleingeld aus.

Zwei Einschränkungen zu dieser Zahl. Sie ist ein volumengewichteter Durchschnitt und enthält auch Kreditkartenkredite, die Spanne zwischen einzelnen Instituten ist also größer, als der Mittelwert vermuten lässt. Und sie sagt nichts darüber, was Ihre Bank verlangt. Der eigene Satz muss Ihnen regelmäßig mitgeteilt werden — das schreibt § 504 BGB in Verbindung mit Artikel 247 § 16 EGBGB vor, und dort steht er dann auch, meist am Rand des Kontoauszugs.

Ohne Rechner nachschlagen

Betrag im Minus mal den eigenen Zinssatz, geteilt durch zwölf. Beim Durchschnittssatz von 9,34 Prozent kostet jedes angefangene Tausend rund 7,80 Euro pro Monat.

Warum die Schuld nicht kleiner wird

Ein Ratenkredit hat einen Tilgungsplan. Jede Rate besteht aus Zins und Tilgung, nach der letzten ist der Kredit erledigt — festgeschrieben im Vertrag, ob man in dem Monat Lust darauf hat oder nicht.

Der Dispokredit hat keinen. Er ist eine eingeräumte Überziehungsmöglichkeit nach § 504 BGB: Die Bank stellt einen Rahmen bereit, genutzt wird er, wie es gerade kommt. Getilgt wird das, was zufällig übrig bleibt, wenn das Gehalt eingeht und die Lastschriften abgeräumt sind. Bei vielen bleibt nichts übrig. Der Saldo pendelt dann jahrelang um denselben Betrag, während die Zinsen unbeirrt weiterlaufen.

Über drei Jahre gerechnet: Ein Dauerminus von 3.000 Euro kostet beim Durchschnittssatz 840,60 Euro. Danach schulden Sie der Bank immer noch 3.000 Euro.

Was ein Ratenkredit an derselben Stelle kostet

Konsumentenkredite mit ein bis fünf Jahren Zinsbindung lagen im Juni 2026 bei durchschnittlich 6,93 Prozent effektiv, ebenfalls Bundesbank, ebenfalls Neugeschäft. Die Lücke zum Überziehungskredit beträgt damit 2,41 Prozentpunkte.

Der entscheidende Unterschied ist aber nicht der Zinssatz, sondern die Tilgung. Wer dieselben 3.000 Euro als Ratenkredit über drei Jahre aufnimmt, zahlt 92,54 Euro im Monat und über die gesamte Laufzeit 331,27 Euro Zinsen. Am Ende ist die Schuld weg. Beim Dispo waren es im selben Zeitraum 840,60 Euro, und das Konto steht weiterhin bei minus 3.000.

Das ist keine Empfehlung, einen Kredit aufzunehmen. Es ist der Hinweis darauf, dass ein dauerhaftes Minus längst einer ist — nur ein teurer ohne Enddatum.

Geduldete Überziehung, der teurere Zwilling

Rutscht das Konto unter den vereinbarten Rahmen und die Bank lässt die Buchung trotzdem durch, ist das keine Dispositionsnutzung mehr, sondern eine geduldete Überziehung nach § 505 BGB. Ob dafür ein Aufschlag fällig wird und wie hoch er ausfällt, steht im Preis- und Leistungsverzeichnis des Instituts; verpflichtend ist ein einheitlicher Satz nicht.

An diesen Fall knüpft das Gesetz Pflichten. Dauert eine erhebliche Überziehung länger als einen Monat, muss die Bank Sie unverzüglich unterrichten. Hält sie länger als drei Monate an und übersteigt der durchschnittliche Betrag dabei die Hälfte Ihres monatlichen Geldeingangs, greift zusätzlich die Beratungspflicht aus § 504a BGB. Kommt die Bank dem nicht nach, darf sie über die Rückzahlung hinaus weder Kosten noch Zinsen verlangen — eine der wenigen Stellen im Kreditrecht, an denen ein Formfehler die Forderung sofort zusammenschrumpfen lässt.

Was Sie von Ihrer Bank verlangen können

Im BGB steht ein Beratungsanspruch, von dem kaum jemand weiß. Nutzen Sie die eingeräumte Überziehungsmöglichkeit sechs Monate ununterbrochen und liegt der durchschnittlich in Anspruch genommene Betrag dabei über 75 Prozent des vereinbarten Höchstbetrags, muss die Bank Ihnen ein Beratungsgespräch anbieten (§ 504a BGB). Gegenstand sind ausdrücklich kostengünstigere Alternativen und die Folgen, wenn es so weiterläuft. Stattfinden darf das Gespräch persönlich oder über Fernkommunikationsmittel, also auch am Telefon.

Von allein wird dieser Anspruch selten eingelöst. Einfordern kann man ihn trotzdem, und es ist der unaufwendigste Weg, an die eigenen Konditionen zu kommen, ohne gleich irgendwo einen Antrag zu stellen.

Der Weg aus dem Dauerminus

Mechanisch ist eine Ablösung simpel. Ein Ratenkredit über die Höhe des Minus wird aufs Girokonto ausgezahlt, das Konto steht wieder bei null, ab da läuft eine feste Rate. Zwei Dinge entscheiden darüber, ob es hält.

Erstens der Rahmen. Bleibt der Dispo in voller Höhe bestehen, ist er erfahrungsgemäß nach einigen Monaten wieder in Benutzung — dann laufen zwei Verpflichtungen nebeneinander statt einer. Ihn zusammen mit der Ablösung kürzen zu lassen, ist der unbequemste und zugleich wirksamste Teil der Sache.

Zweitens die Rate. Sie muss neben den laufenden Ausgaben tragbar sein, sonst wandert das Minus einfach zurück aufs Konto. Etwas Luft nach oben gibt es dabei: Ein Verbraucherdarlehen lässt sich jederzeit vorzeitig zurückzahlen, und die Vorfälligkeitsentschädigung ist auf 1 Prozent des vorzeitig zurückgezahlten Betrags gedeckelt, bei weniger als einem Jahr Restlaufzeit auf 0,5 Prozent (§ 502 Abs. 3 BGB). Der Dispo selbst kennt gar keine — er darf nach § 504 BGB jederzeit ohne Zusatzkosten zurückgeführt werden.

Der häufigste Fehler

Das Minus ablösen und den alten Rahmen unangetastet stehen lassen. Ein halbes Jahr später steht dann beides zu Buche: die Kreditrate und wieder ein Minus auf dem Konto.

Interaktiv

Was das Ablösen kosten würde

Rechnet nach der Annuitätenformel. Für den Zinssatz gehört der Wert aus dem eigenen Angebot hier hinein — die voreingestellten 6,93 Prozent sind der Bundesbank-Durchschnitt vom Juni 2026, kein zugesagter Satz.

Zum Vergleich: Überziehungskredite lagen im Juni 2026 bei 9,34 %.

92,54 €

monatliche Rate

Nettodarlehensbetrag3.000 €
Laufzeit3 Jahre (36 Raten)
Zinskosten gesamt331 €
Gesamtbetrag3.331 €

Unverbindliche Modellrechnung, keine Kredit- oder Rechtsberatung. Bearbeitungsentgelte, Restschuldversicherungen und bonitätsabhängige Zuschläge sind nicht berücksichtigt.

Vergleich

3.000 Euro über drei Jahre, zwei Wege

Gerechnet mit den Bundesbank-Durchschnittssätzen für Juni 2026 und derselben Annuitätenformel wie im Rechner oben. Beim Dispo wird angenommen, dass der Saldo unverändert stehen bleibt.

KriteriumDispokredit (9,34 %)Ratenkredit (6,93 %)
Monatliche Belastung23,35 € (nur Zinsen)92,54 € (Zins und Tilgung)
Zinsen nach drei Jahren840,60 €331,27 €
Restschuld nach drei Jahren3.000 €0 €
Enddatumkeinesnach 36 Raten
Vorzeitige Rückzahlungjederzeit, ohne Entschädigungjederzeit, höchstens 1 %

Die Dispo-Spalte unterstellt gleichbleibendes Minus. Wer nebenher tilgt, zahlt weniger — nur eben ohne festen Plan, wann es vorbei ist.

Vor der Ablösung durchgehen

Fünf Punkte, die den Unterschied zwischen einer einmaligen Bereinigung und einer Verdopplung ausmachen.

  • Den eigenen Dispozins heraussuchen — Kontoauszug oder Preis- und Leistungsverzeichnis, nicht schätzen.
  • Prüfen, ob ein Teil des Minus aus geduldeter Überziehung stammt; dafür gelten oft andere Sätze.
  • Beim Institut nachfragen, ob die Voraussetzungen des Beratungsanspruchs nach § 504a BGB vorliegen.
  • Angebote als Konditionsanfrage einholen, nicht als Kreditanfrage — Letztere wird bei der Schufa vermerkt.
  • Die Rate gegen den tatsächlichen Monatsüberschuss rechnen, nicht gegen das Wunschbudget.
  • Den Disporahmen zeitgleich mit der Auszahlung kürzen oder streichen lassen.
  • Nach der Ablösung drei Monate lang den Kontostand am Monatsende notieren.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Dispokredit

Was genau ist ein Dispokredit?

Rechtlich eine eingeräumte Überziehungsmöglichkeit nach § 504 BGB: Die Bank erlaubt Ihnen, das Girokonto bis zu einem vereinbarten Höchstbetrag ins Minus zu führen. Anders als beim Ratenkredit gibt es weder eine feste Laufzeit noch einen Tilgungsplan. Verzinst wird taggenau nur der tatsächlich in Anspruch genommene Betrag, abgerechnet meist quartalsweise.

Was kostet 1.000 Euro Dispo im Monat?

Beim Bundesbank-Durchschnitt von 9,34 Prozent (Juni 2026) sind es 7,78 Euro im Monat, also 93,40 Euro im Jahr. Verlangt die eigene Bank mehr, steigt der Betrag entsprechend: Bei 12 Prozent wären es 10 Euro monatlich. Die Formel ist simpel — Betrag mal Zinssatz, geteilt durch zwölf.

Welche Nachteile hat ein Dispokredit?

Der hohe Zins ist der offensichtliche, die fehlende Tilgung der teurere. Weil niemand eine Rückzahlung festlegt, bleibt der Saldo häufig über Jahre stehen und verursacht dauerhaft Zinsen, ohne dass die Schuld sinkt. Hinzu kommt, dass eine dauerhaft ausgeschöpfte Überziehung bei späteren Kreditanträgen als Belastung in die Haushaltsrechnung eingeht.

Wie viel Dispo ist normal?

Eine gesetzliche Obergrenze gibt es nicht; die Höhe wird zwischen Bank und Kunde vereinbart und richtet sich meist nach dem regelmäßigen Geldeingang. Aufschlussreicher als der Rahmen ist die Nutzung: § 504a BGB sieht ein Beratungsangebot vor, sobald der durchschnittlich genutzte Betrag über sechs Monate hinweg mehr als 75 Prozent des Rahmens ausmacht. Wer darüber liegt, nutzt den Dispo nicht mehr zur Überbrückung.

Was unterscheidet den Dispo von einer geduldeten Überziehung?

Der Dispo bewegt sich innerhalb des vereinbarten Rahmens. Von geduldeter Überziehung spricht § 505 BGB, wenn die Bank Buchungen darüber hinaus zulässt, ohne dass dafür etwas vereinbart wäre. Sie ist in der Regel teurer und löst zusätzliche Informationspflichten aus: Ab einem Monat erheblicher Überziehung muss die Bank unverzüglich unterrichten.

Kann ich den Dispokredit jederzeit zurückzahlen?

Ja, und zwar ohne Zusatzkosten. § 504 Abs. 1 BGB nimmt die eingeräumte Überziehungsmöglichkeit ausdrücklich vom Anspruch auf Vorfälligkeitsentschädigung aus. Jede Gutschrift auf dem Konto verringert den Saldo und damit sofort die Zinsen — es gibt keine Frist, keine Kündigung und keinen Termin, den man abwarten müsste.

RZ

Redaktion Zinsklar

Fachredaktion Kredit und Finanzierung

Zinssätze auf dieser Seite stammen aus der MFI-Zinsstatistik der Deutschen Bundesbank, Rechtsstände aus dem Gesetzestext. Wir vermitteln nichts, vergleichen keine Anbieter und geben keine Kontaktdaten weiter.

Zuletzt fachlich geprüft: 17. August 2026

Quellen

  1. MFI-Zinsstatistik, Zeitreihe BBIM1: Effektivzinssätze im Neugeschäft für revolvierende Kredite und Überziehungskredite an private HaushalteDeutsche Bundesbank, Abruf 2026-08-17
  2. Konsumentenkredite an private Haushalte: Effektivzinssätze im Neugeschäft nach ZinsbindungsfristDeutsche Bundesbank, Abruf 2026-08-17
  3. § 504 BGB — Eingeräumte ÜberziehungsmöglichkeitBundesministerium der Justiz, Abruf 2026-08-17
  4. § 504a BGB — Beratungspflicht bei dauerhafter InanspruchnahmeBundesministerium der Justiz, Abruf 2026-08-17
  5. § 505 BGB — Geduldete ÜberziehungBundesministerium der Justiz, Abruf 2026-08-17
  6. § 502 BGB — VorfälligkeitsentschädigungBundesministerium der Justiz, Abruf 2026-08-17
  7. Artikel 247 § 16 EGBGB — Informationen bei eingeräumter ÜberziehungsmöglichkeitBundesministerium der Justiz, Abruf 2026-08-17