Kosten

Was der Effektivzins beim Ratenkredit wirklich enthält

Der Sollzins ist der Preis für das geliehene Geld. Der Effektivzins ist der Preis für den Kredit. Dazwischen liegen Kosten, die viele Angebote erst im Kleingedruckten nennen — und eine Position, die gar nicht mitgerechnet werden muss.

Sollzins und Effektivzins sind zwei verschiedene Preise

Der Sollzins benennt nur einen Teil der Kosten: den Preis für das geliehene Geld. Der effektive Jahreszins soll dagegen den Gesamtpreis abbilden. Er ist in der Preisangabenverordnung geregelt und muss deshalb bei jedem Ratenkredit genannt werden.

In den Effektivzins gehören alle Kosten, die der Kredit zwingend mit sich bringt. Dazu zählen der Sollzins selbst, Bearbeitungs- und Vermittlungsentgelte sowie Gebühren für ein Konto, das man nur wegen des Kredits führen muss. Auch der Tilgungsplan wirkt sich aus: Wer früher tilgt, zahlt auf eine kleinere Restschuld Zinsen.

Nicht enthalten sind Kosten, die rechtlich freiwillig sind. Die wichtigste davon ist die Restschuldversicherung. Genau daran scheitert der Vergleich zweier Angebote am häufigsten.

Kernpunkt

Zwei Angebote sind nur dann vergleichbar, wenn beide ohne Restschuldversicherung gerechnet sind. Fragen Sie die Angebote ausdrücklich in dieser Form an.

Warum der beworbene Zins selten Ihr Zins ist

Die meisten Angebote nennen einen bonitätsabhängigen Zins. Der Wert in der Werbung ist dann der günstigste Satz, den die Bank überhaupt vergibt — nicht der übliche.

Deshalb schreibt die Preisangabenverordnung ein repräsentatives Beispiel vor. Es muss den Zins nennen, zu dem mindestens zwei Drittel der Verträge tatsächlich zustande kommen. Dieser Wert steht meist klein unter der Werbung, und er ist der einzige, mit dem man rechnen sollte.

Einige Anbieter arbeiten stattdessen mit einem bonitätsunabhängigen Zins. Jeder, der den Kredit bekommt, zahlt denselben Satz. Der ist oft nicht der niedrigste am Markt, aber er ist der Satz, den man auch erhält. Wer den Aufwand mehrerer Anfragen scheut, fährt damit häufig besser.

Auf die Formulierung achten

„Ab 2,99 %" bedeutet bonitätsabhängig. Suchen Sie das repräsentative Beispiel und rechnen Sie ausschließlich mit dem Zins, der dort steht.

Die Restschuldversicherung verschiebt die Rechnung

Eine Restschuldversicherung zahlt die Raten weiter, wenn der Kreditnehmer arbeitslos oder arbeitsunfähig wird. Das kann sinnvoll sein. Nur ist ihr Preis im Effektivzins nicht abgebildet, solange sie freiwillig ist — und freiwillig ist sie bei fast jedem Ratenkredit.

Die Beiträge werden meist in einer Summe mitfinanziert. Sie erhöhen also den Darlehensbetrag, und auf diesen Betrag fallen wieder Zinsen an. Aus einem Kredit über 15.000 Euro werden so schnell 16.700 Euro, ohne dass der Effektivzins sich ändert.

Seit 2022 darf die Versicherung nicht mehr im selben Termin abgeschlossen werden wie der Kredit. Zwischen beiden Verträgen muss mindestens eine Woche liegen. Wer im Beratungsgespräch zur sofortigen Unterschrift gedrängt wird, sollte das als Warnsignal nehmen.

Wie stark eine mitfinanzierte Police wirkt, zeigt der Ratenrechner: Tragen Sie einmal den reinen Darlehensbetrag ein und einmal den Betrag samt Versicherungsprämie.

Was vor der Unterschrift zu prüfen ist

Drei Angaben entscheiden über die Gesamtkosten, und alle drei stehen in den vorvertraglichen Informationen. Diese Unterlagen müssen Sie vor der Unterschrift bekommen.

  1. Der Gesamtbetrag. Er nennt in einer Zahl, was Sie am Ende zurückzahlen. Diese Zahl lässt sich nicht schönrechnen.
  2. Der Effektivzins im Vertrag, nicht der aus der Werbung. Weicht er ab, ist das kein Fehler, sondern Ihre persönliche Kondition.
  3. Sondertilgungen. Ob sie kostenlos möglich sind, entscheidet darüber, ob Sie später auf eine Umschuldung ausweichen können.

Unabhängig davon gilt ein Widerrufsrecht von 14 Tagen. Die Frist beginnt erst, wenn alle Pflichtangaben vollständig vorliegen. Fehlt eine davon, verlängert sie sich. Eine Übersicht der Faktoren, die Ihre Kondition bestimmen, steht unter Bonität.

Interaktiv

Was der Kredit tatsächlich kostet

Rechnet mit der Annuitätenformel. Entscheidend ist die Zeile „Zinskosten gesamt" — sie zeigt den Aufschlag gegenüber dem Darlehensbetrag.

Den Wert aus dem repräsentativen Beispiel nehmen, nicht den beworbenen Bestzins.

296,31 €

monatliche Rate

Nettodarlehensbetrag15.000 €
Laufzeit5 Jahre (60 Raten)
Zinskosten gesamt2.779 €
Gesamtbetrag17.779 €

Unverbindliche Modellrechnung, keine Kredit- oder Rechtsberatung. Bearbeitungsentgelte und Restschuldversicherungen sind nicht berücksichtigt.

Vergleich

Drei Angebote über 15.000 Euro

Gleicher Darlehensbetrag, gleiche Laufzeit von fünf Jahren. Nur die Nebenkosten unterscheiden sich — und damit der Preis.

KriteriumBestzins beworbenRepräsentatives BeispielMit Restschuldversicherung
Effektiver Jahreszins2,99 %6,90 %6,90 %
Finanzierter Betrag15.000 €15.000 €16.700 €
Monatliche Rate269,46 €296,31 €329,89 €
Zinskosten gesamt1.168 €2.779 €3.094 €
Prämie der Police1.700 €
Rückzahlung gesamt16.168 €17.779 €19.794 €
Aufschlag gegenüber Bestzins1.611 €3.626 €

Gerechnet mit derselben Engine wie der Rechner oben. Jede Spalte lässt sich dort nachstellen. Die Prämie ist ein Mittelwert marktüblicher Policen für diesen Betrag.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Effektivzins

Warum bekomme ich einen höheren Zins als beworben?

Weil der beworbene Satz in der Regel bonitätsabhängig ist. Er nennt die günstigste Kondition, die die Bank vergibt. Der Wert im repräsentativen Beispiel liegt näher an dem, was üblich vergeben wird — er muss für mindestens zwei Drittel der geschlossenen Verträge gelten.

Ist die Restschuldversicherung im Effektivzins enthalten?

Nur dann, wenn ihr Abschluss Voraussetzung für den Kredit ist. Bei freiwilligen Policen bleibt sie außen vor. Da die Prämie meist mitfinanziert wird, steigen Darlehensbetrag und Zinslast, ohne dass der ausgewiesene Effektivzins sich ändert.

Wie lange kann ich einen Kreditvertrag widerrufen?

Bei Verbraucherdarlehen gilt eine Frist von 14 Tagen. Sie beginnt erst, wenn der Vertrag geschlossen ist und alle Pflichtangaben vorliegen. Fehlen Angaben oder sind sie fehlerhaft, beginnt die Frist später — im Zweifel lohnt eine Prüfung des Vertrags.

Was kostet die vorzeitige Rückzahlung?

Beim Ratenkredit ist die Vorfälligkeitsentschädigung gesetzlich gedeckelt: auf ein Prozent der vorzeitig zurückgezahlten Summe, und auf 0,5 Prozent, wenn die Restlaufzeit unter einem Jahr liegt. Sie darf außerdem nie höher sein als der Zins, der bis zum Laufzeitende noch angefallen wäre.

Lohnt sich eine kürzere Laufzeit?

In den Gesamtkosten fast immer, in der Monatsrate nie. Eine kürzere Laufzeit senkt die Zinskosten deutlich, erhöht aber die Rate. Wählen Sie die Laufzeit so, dass die Rate auch bei einem Einkommensausfall tragbar bleibt — eine gerissene Rate kostet mehr als die gesparten Zinsen.

RZ

Redaktion Zinsklar

Fachredaktion Kredit und Finanzierung

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Zuletzt fachlich geprüft: 28. Juli 2026

Quellen

  1. Preisangabenverordnung — Angaben zum effektiven JahreszinsBundesministerium der Justiz, Abruf Juli 2026
  2. Verbraucherdarlehensvertrag: Pflichtangaben und WiderrufBundesministerium der Justiz, Abruf Juli 2026
  3. Marktuntersuchung RestschuldversicherungBaFin, Abruf Juni 2026
  4. MFI-Zinsstatistik: Konsumentenkredite an private HaushalteDeutsche Bundesbank, Abruf Juli 2026