Warum ein Autokredit weniger kostet als ein freier Kredit
Ein Autokredit ist ein Ratenkredit mit einer Sicherheit. Das Fahrzeug haftet für das Darlehen. Fällt die Zahlung aus, kann die Bank es verwerten — und weil ihr Risiko damit kleiner ist, liegt der Zins in der Regel unter dem eines Kredits zur freien Verwendung.
Als Maßstab taugt die MFI-Zinsstatistik der Notenbanken. Sie erfasst monatlich, was deutsche Banken im Neugeschäft tatsächlich abgeschlossen haben, nicht was in der Werbung steht. Im Juni 2026 lagen Konsumentenkredite über alle Laufzeiten bei 8,00 Prozent effektiv, Verträge mit ein bis fünf Jahren Zinsbindung bei 6,93 Prozent.
Was Sie persönlich bekommen, entscheidet Ihre Bonität. Vergleichbar sind Angebote ohnehin nur über den Effektivzins, weil er Bearbeitungs- und Vermittlungskosten einschließt und der Sollzins nicht. Die BaFin formuliert es knapp: Achten Sie beim Vergleich auf den Effektivzins, da dieser alle Kosten berücksichtigt.
Was die Null-Prozent-Finanzierung wirklich kostet
Null Prozent klingt nach geschenktem Geld. Der Preis dafür steht nicht im Kreditvertrag, sondern im Kaufvertrag: Wer bar zahlt, handelt einen Nachlass aus. Wer im Autohaus finanziert, zahlt häufig den Listenpreis.
Ein Beispiel mit offenen Annahmen. Listenpreis 25.000 Euro, vier Jahre Laufzeit, keine Anzahlung. Der Händler stellt zwei Varianten zur Wahl — zinsfreie Finanzierung zum vollen Preis, oder zehn Prozent Nachlass gegen Barzahlung, also 22.500 Euro. Das Geld für die Barzahlung leiht die Bank zu den 6,93 Prozent aus der Statistik.
- Null Prozent im Autohaus: 48 Raten zu 520,83 Euro, zusammen 25.000,00 Euro.
- Nachlass plus Bankkredit: 48 Raten zu 538,06 Euro, zusammen 25.826,88 Euro.
Die zinsfreie Variante gewinnt hier um 826,88 Euro. Rechnet man sie gegen den Barpreis in einen Zinssatz um, entspricht sie rund 5,4 Prozent effektiv — deutlich günstiger als der Marktschnitt, umsonst ist sie trotzdem nicht.
Interessant ist der Punkt, an dem es kippt. Er liegt bei 12,9 Prozent: Erst wenn der Händler mehr als knapp dreizehn Prozent vom Listenpreis nachlässt, ist der Bankkredit auf den reduzierten Preis billiger als die zinsfreie Rate auf den vollen. Die verbreitete Faustregel, eine Null-Prozent-Finanzierung sei immer ein Trick, stimmt bei den heutigen Zinsen also nicht.
Der Nachlass muss im Vertrag stehen
Ein mündlich zugesagter Barzahlerrabatt taucht in keiner Rechnung auf. Lassen Sie sich beide Varianten vollständig ausrechnen — Kaufpreis, Laufzeit, Rate, Effektivzins — und vergleichen Sie die Endsummen. Die Monatsrate allein sagt fast nichts.
Der stille Vorteil der Finanzierung beim Händler
Beim Zins verliert die Händlerfinanzierung oft. Rechtlich hat sie einen Vorteil, der in den Prospekten nirgends steht.
Wird das Darlehen über den Verkäufer angebahnt, bilden Kaufvertrag und Kredit ein verbundenes Geschäft. Das Gesetz nimmt eine wirtschaftliche Einheit an, wenn sich der Darlehensgeber „bei der Vorbereitung oder dem Abschluss des Darlehensvertrags der Mitwirkung des Unternehmers bedient" (§ 358 Abs. 3 BGB). Genau das geschieht im Autohaus.
Daraus folgen zwei Rechte. Widerrufen Sie den Kreditvertrag fristgerecht, sind Sie auch an den Kauf nicht mehr gebunden (§ 358 Abs. 2 BGB). Und hat der Wagen einen Mangel, den der Händler nicht beseitigt, dürfen Sie die Rückzahlung des Darlehens verweigern, sobald die Nacherfüllung fehlgeschlagen ist (§ 359 Abs. 1 BGB).
Bei einem Kredit der eigenen Hausbank fehlt diese Klammer. Der Kaufvertrag ist dann eine Sache zwischen Ihnen und dem Verkäufer, das Darlehen eine zweite. Die Bank will ihre Raten, ob der Wagen fährt oder in der Werkstatt steht.
Die Ballonrate verschiebt die Last nach hinten
Bei der Ballonfinanzierung — im Autohaus meist Drei-Wege-Finanzierung genannt — bleibt ein großer Teil der Schuld bis zum Schluss stehen. Die Monatsrate wirkt dadurch klein, die Schlussrate wird schnell fünfstellig.
Gleiches Auto, gleiche Laufzeit, Sollzins 3,9 Prozent und eine Schlussrate von 10.000 Euro: Die Monatsrate sinkt auf 370,52 Euro, gut 167 Euro unter der Rate des Bankkredits. Bezahlt werden am Ende jedoch 27.784,72 Euro — knapp 2.000 Euro mehr als bei der Variante mit Nachlass und Bankkredit.
Für die Schlussrate gibt es drei Auswege: bezahlen, das Fahrzeug zurückgeben, sofern der Vertrag ein Rückgaberecht vorsieht, oder den Rest weiterfinanzieren. Der dritte ist der teuerste, weil der Zins dafür erst in vier Jahren feststeht. Wer damit rechnet, sollte vorher wissen, wie eine Umschuldung funktioniert.
Rate und Kosten sind zwei verschiedene Größen
Jede Verlängerung der Laufzeit senkt die Rate und hebt die Zinskosten. Im [Kreditrechner](/kreditrechner) lässt sich das in beide Richtungen durchspielen: gleiche Summe, andere Laufzeit, und die Endsumme wandert sichtbar mit.
Drei Klauseln, die mehr entscheiden als der Zehntelprozentpunkt
Die Sicherungsübereignung. „Bei Autofinanzierungen ist eine Sicherungsübereignung üblich: Sie übertragen der Bank das rechtliche Eigentum am Fahrzeug, dürfen es aber uneingeschränkt nutzen", schreibt die BaFin. Die Zulassungsbescheinigung Teil II geht an die Bank und bleibt dort bis zur letzten Rate. Verkaufen lässt sich der Wagen vorher nur mit ihrer Zustimmung.
Die Restschuldversicherung. Sie darf Ihnen nicht im selben Termin untergeschoben werden. Die Vertragserklärung ist erst frühestens eine Woche nach Abschluss des Darlehensvertrags wirksam abzugeben; verstößt der Versicherer dagegen, ist der Vertrag nichtig (§ 7a Abs. 5 VVG). Wer im Autohaus einen Stapel Papiere in einem Rutsch unterschreibt, sollte das nachsehen.
Die vorzeitige Ablösung. Sie ist jederzeit möglich, und sie ist gedeckelt. Die Bank darf höchstens ein Prozent des zurückgezahlten Betrags verlangen, bei weniger als einem Jahr Restlaufzeit 0,5 Prozent (§ 502 Abs. 3 BGB). Wie viel dabei übrig bleibt, steht unter Kredit vorzeitig ablösen.