Was ein Minikredit ist
Als Minikredit gelten kleine Summen mit kurzer Laufzeit — meist zwischen 100 und 3.000 Euro, zurückzuzahlen in 30 bis 90 Tagen, oft in einer einzigen Rate. Damit unterscheidet er sich grundlegend vom Ratenkredit, der über Jahre in gleichbleibenden Monatsraten getilgt wird.
Der kurze Zeitraum ist der Grund, warum die üblichen Vergleichsmaßstäbe hier nicht greifen. Ein Jahreszins beschreibt die Kosten eines Jahres. Wer nur dreißig Tage borgt, zahlt rechnerisch ein Zwölftel davon — und genau deshalb wirken die beworbenen Sätze so niedrig.
Der Preis steckt in der Sofortauszahlung
Bei diesen Produkten ist die Auszahlung in der Grundvariante kostenlos, dauert aber mehrere Tage. Wer das Geld sofort braucht — und das ist der Anlass, aus dem solche Kredite überhaupt gesucht werden —, bucht eine Express- oder Sofortauszahlung hinzu. Diese Gebühr ist ein separates Entgelt und taucht im beworbenen Zinssatz nicht auf.
Das ist der Punkt, an dem sich die Rechnung dreht. Eine Gebühr, die gemessen an der Kreditsumme klein aussieht, wird über eine Laufzeit von dreißig Tagen zu einem sehr hohen Jahreswert, weil sie nicht auf zwölf Monate verteilt wird, sondern auf einen.
So rechnet man die Gebühr in einen Jahreszins um
Die Umrechnung ist kein Geheimnis, sondern eine Zeile Mathematik. Man setzt die Gebühr ins Verhältnis zur Kreditsumme und hochrechnet sie auf ein Jahr:
Effektiver Jahreszins = (1 + Gebühr ÷ Kreditsumme) hoch (365 ÷ Laufzeit in Tagen) − 1
Die Tabelle unten zeigt, was dabei herauskommt. Die Werte sind reine Rechenbeispiele mit den angegebenen Annahmen, keine Angebote und keine Marktbeobachtung — sie zeigen nur, wie stark die Laufzeit den Effekt einer Gebühr verstärkt.
Ein Beispiel zum Mitrechnen: Wer 500 Euro für dreißig Tage aufnimmt und 25 Euro für die Sofortauszahlung zahlt, gibt fünf Prozent der Summe aus. Aufs Jahr gerechnet entspricht das rund 81 Prozent. Zurückzuzahlen sind 525 Euro. Bei 40 Euro Gebühr wären es 540 Euro und rechnerisch etwa 155 Prozent.
Wo der Verbraucherschutz endet
Die BaFin weist auf eine Lücke hin, die viele überrascht: Kredite unter 200 Euro unterliegen nicht den normalen Verbraucherschutzregeln. Ebenso können Kredite ausgenommen sein, die unabhängig von der Höhe binnen drei Monaten zurückgezahlt werden müssen und nur geringe Kosten verursachen.
Praktisch heißt das: Es muss nicht zwingend einen schriftlichen Vertrag mit den sonst üblichen Pflichtangaben geben. Ein vierzehntägiges Widerrufsrecht besteht bei Kleinstbeträgen nur, wenn der Vertrag außerhalb von Geschäftsräumen oder im Fernabsatz geschlossen wurde — also etwa online, was bei diesen Anbietern allerdings der Regelfall ist. Die Behörde rät, Kosten und Zinsen vor Abschluss sorgfältig zu prüfen.
Die kurze Laufzeit hat noch eine zweite Folge, die selten erwähnt wird. Wer am Fälligkeitstag nicht zahlen kann, verlängert oder nimmt einen Folgekredit auf. Jede Verlängerung kann erneut Gebühren auslösen.
Woran man unseriöse Angebote erkennt
Die Verbraucherzentrale nennt sechs wiederkehrende Maschen. Vier davon betreffen Minikredite unmittelbar.
Erstens das Versprechen „ohne Schufa": Vermittler vergeben selbst keine Darlehen, sie leiten Anfragen weiter. Seriöse Kredite werden praktisch nie ohne entsprechende Bonität vergeben. Zweitens Anbieter ohne Impressum oder mit erfundenen Adressen — sitzt das Unternehmen im Ausland, wird die Rechtsdurchsetzung schwierig. Drittens Vorauszahlungen: Unzulässig sind pauschale Summen, abgerechnete Arbeitsstunden von Außendienstmitarbeitern, teure Hotlines und Eilbearbeitungsgebühren, die vor der Auszahlung fällig werden. Viertens Zusatzprodukte, die zur Bedingung gemacht werden — etwa eine Prepaid-Kreditkarte mit Jahresgebühr oder eine Versicherung, ohne die es angeblich keinen Kredit gibt.
Die Verbraucherzentralen warnen namentlich vor dem Vermittler Maxda, der Kundinnen und Kunden erklärt, sie müssten zur Verbesserung ihrer Bonität erst einen Bausparvertrag und danach eine Lebensversicherung abschließen.
Was sonst infrage kommt
Bevor ein Minikredit sinnvoll wird, lohnt der Blick auf zwei nüchterne Alternativen.
Der eingeräumte Dispositionskredit auf dem Girokonto ist teuer, aber er kostet nur für die Tage, an denen er genutzt wird, und er verlangt keine Gebühr für die Verfügbarkeit. Wer ihn ohnehin hat, fährt bei wenigen hundert Euro über wenige Wochen häufig günstiger als mit einer Express-Gebühr. Und wenn der Bedarf größer ist als ein paar hundert Euro oder länger als ein paar Wochen dauert, ist der Ratenkredit die passendere Form — er ist über die Preisangabenverordnung vergleichbar, weil dort alle zwingenden Kosten im effektiven Jahreszins stecken müssen.
Die eigentliche Frage ist selten, welches Produkt das günstigste ist. Sie lautet, ob die Rückzahlung am Fälligkeitstag realistisch ist. Ist sie das nicht, verschiebt ein Kurzzeitkredit das Problem um dreißig Tage und macht es teurer.


