Warum der Einmalbeitrag den Kredit zweimal verteuert
Eine Restschuldversicherung springt ein, wenn der Kreditnehmer stirbt, arbeitsunfähig wird oder seinen Arbeitsplatz verliert. Sie zahlt dann die Raten oder löst die Restschuld ab. Das klingt vernünftig, und in der Beratungssituation klingt es sogar naheliegend.
Der Haken sitzt in der Zahlungsweise. Fast alle Verträge dieser Art verlangen einen Einmalbeitrag, fällig sofort bei Vertragsschluss. Weil kaum jemand vier- oder fünftausend Euro bar danebenliegen hat, wird der Beitrag dem Darlehen zugeschlagen. Ab diesem Moment ist er kein Versicherungsbeitrag mehr, sondern Kreditsumme — und wird wie jeder andere Euro über die gesamte Laufzeit verzinst.
Das ist der Punkt, an dem aus einer Prämie ein deutlich größerer Betrag wird. Die Verbraucherzentrale hat den Effekt an einem Fall durchgerechnet: 18.000 Euro Kredit über acht Jahre, Prämien von 5.040,27 Euro für Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit und Todesfall. Die Monatsrate steigt dadurch von 256,13 auf 330,46 Euro, die Gesamtkosten von 6.588 auf 13.724 Euro. Der Aufschlag beträgt 7.135,83 Euro — also gut 2.000 Euro mehr, als die Versicherung selbst kostet (Verbraucherzentrale, Stand 26. August 2025).
Der Unterschied in einem Satz
Nicht die Prämie ist der Preis, sondern die Prämie plus die Zinsen, die auf sie anfallen. Bei langen Laufzeiten ist der zweite Teil erheblich.
Restschuldversicherung Kosten: warum der Effektivzins sie verschweigt
Der effektive Jahreszins ist die Kennzahl, mit der sich Kreditangebote überhaupt vergleichen lassen — er bündelt alle Kosten in eine Prozentzahl. Genau das tut er bei der Restschuldversicherung aber nur unter einer Bedingung.
§ 16 der Preisangabenverordnung schreibt vor, dass Versicherungsprämien in den Effektivzins gehören, wenn der Abschluss zwingende Voraussetzung für den Kredit ist. Ist die Versicherung freiwillig, bleibt sie draußen. Und freiwillig ist sie inzwischen praktisch immer: Seit dem 1. Januar 2025 darf ein Allgemein-Verbraucherdarlehen nicht mehr vom Abschluss einer Restschuldversicherung abhängig gemacht werden (BaFin).
Daraus folgt eine Lage, die man kennen sollte. Die Verbraucherschutzregel, die den Zwang beseitigt hat, sorgt zugleich dafür, dass die Kosten aus der Vergleichszahl herausfallen. Ein Angebot mit 8,30 Prozent effektiv und mitfinanzierter Police kostet real das Doppelte — und darf trotzdem korrekt mit 8,30 Prozent werben. Wer zwei Angebote nebeneinanderlegt, vergleicht deshalb nur dann Gleiches, wenn bei beiden dieselbe Antwort auf die Versicherungsfrage steht.
Ein Prüfsatz für die Praxis: Die Zahl, auf die es ankommt, ist nicht der Zins, sondern der Gesamtbetrag — was am Ende überwiesen wurde und was insgesamt zurückfließt. Der steht in jedem Kreditvertrag.
Was von der Prämie beim Versicherer ankommt
Restschuldversicherungen wurden lange verkauft, weil sich der Verkauf lohnte. Die BaFin hat den Markt 2017 untersucht und bei zwölf Kreditinstituten Provisionen von 50 Prozent der Prämie gefunden, bei sieben weiteren lag der Höchstsatz darüber, in Einzelfällen über 70 Prozent. Von hundert eingezahlten Euro blieben also teils weniger als dreißig für den eigentlichen Versicherungsschutz übrig.
Seit dem 1. Juli 2022 gilt eine Obergrenze. § 50a des Versicherungsaufsichtsgesetzes begrenzt die Vergütung auf 2,5 Prozent des abgesicherten Darlehensbetrags; bei 15.000 Euro Kredit sind das 375 Euro. Die Nachuntersuchung der BaFin für die Jahre 2019 bis 2022 stellte fest, dass die Provisionsanteile daraufhin deutlich zurückgegangen sind und auch die Prämien mehrheitlich gesunken sind.
Die zweite Zahl aus derselben Untersuchung erklärt, warum die Kalkulation für die Anbieter aufgeht: Bei den meisten Instituten führten weniger als drei Prozent der Verträge im Betrachtungszeitraum überhaupt zu einem Versicherungsfall. Das ist keine Unterstellung, sondern die Natur einer Versicherung gegen seltene Ereignisse — nur rechtfertigt eine Eintrittswahrscheinlichkeit in dieser Größenordnung eben keinen Beitrag von einem Viertel der Kreditsumme.
Wann der Vertrag trotzdem eine Überlegung wert ist
Pauschal abzuraten wäre zu einfach. Es gibt Konstellationen, in denen eine Absicherung der Restschuld sinnvoll ist — nur ist die Restschuldversicherung dafür selten das passende Mittel.
Wer eine Familie versorgt und eine große, langlaufende Summe aufnimmt, sollte den Todesfall absichern. Eine Risikolebensversicherung über die Darlehenssumme leistet dasselbe, kostet aber einen Bruchteil, gilt unabhängig vom konkreten Kredit und bleibt bestehen, wenn umgeschuldet wird. Gegen den Verlust der Arbeitskraft — statistisch das größere Risiko — schützt eine Berufsunfähigkeitsversicherung dauerhaft, während die Restschuldversicherung nur bis zur letzten Rate zahlt.
Bleibt die Arbeitslosigkeit, für die es kaum private Alternativen gibt. Hier lohnt der Blick in die Bedingungen besonders: Wartezeiten von drei bis sechs Monaten sind üblich, Eigenkündigung und befristete Verträge sind regelmäßig ausgeschlossen, und gezahlt wird meist nur für eine begrenzte Zahl von Raten.
Wer bereits einen Vertrag hat und ihn loswerden will, prüft zuerst die Widerrufsfrist und danach die Kündigungsregeln — beides steht weiter unten. Und wer ohnehin über eine vorzeitige Ablösung oder eine Umschuldung nachdenkt, sollte wissen, dass die Police dabei nicht automatisch mitwandert.
Umschuldung löst die Police nicht auf
Der BGH hat 2014 entschieden, dass Kündigungsfristen in Gruppenversicherungsverträgen wirksam sind (IV ZR 289/13). Wer umschuldet, kann den Beitrag also weiterzahlen müssen, obwohl das abgesicherte Darlehen nicht mehr existiert.


